David McAllister macht sich stark für die Europäische Union und warnt vor Populisten, Nationalisten und Demagogen. FOTO: JO

Der Christdemokrat David McAllister ist bereits seit mehr als vier Jahren Abgeordneter im Europäischen Parlament (EP) und möchte dieses Amt auch weiterhin bekleiden. Seine Partei scheint das auch so zu sehen und nominierte ihn erneut zum Spitzenkandidaten. Am 26. Mai entscheiden unter anderem die Bundesbürger bei der Europawahl über seine Kandidatur. Auf Einladung des Rotenburger Kreisverbandes kam der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen zum Neujahrsempfang: Er scherzte, dankte, fand aber auch warnende Worte.

VON JORIS UJEN

Rotenburg – David McAllister geht zum Podium. Gleich zu Beginn seiner Rede rückt er seine politischen Feinde in den Fokus: Populisten, Nationalisten, Demagogen, die in vielen europäischen Mitgliedsstaaten aktiv sind. Politisch aufhetzen möchte McAllister die rund 200 Parteikollegen in Rotenburg nicht. Vielmehr ist es ihm ein Anliegen, von seinen Erfahrungen mit diesen Gruppierungen zu berichten. „Sobald es um Sacharbeit geht, machen sie sich vom Acker“, erzählt er. „Komplexe Sachverhalte können sie den Menschen einfach erklären, Lösungsstrategien haben sie aber keine.“ Die große schweigende Mehrheit müsse nun aufstehen und sich für die Bewahrung der Demokratie in Europa einsetzen und wählen gehen, fordert der Gastredner, der zunehmend leidenschaftlichere Töne anschlägt:
„Wir sind überzeugte Niedersachsen, patriotische Deutsche und stehen für Europa.“

Aber die EU sei seines Erachtens nicht perfekt, müsse wettbewerbsfähiger werden, um mit dem globalen Markt Schritt halten zu können. Zudem sei eine europäische Grenzschutzpolizei und Küstenwache bei der Migrationsarbeit erstrebenswert. Industrie und Forschung müsse zudem mehr gefördert werden. Des Weiteren wären für den Christdemokraten die Klimaschutzziele viel zu ambitioniert, man müsse der Automobilindustrie dabei mehr entgegenkommen – nur einige Beispiele seiner Rede und der anstehenden Aufgaben für das EP. Hier möchte er weiterhin agieren, gerne auch mit dem Sottrumer Jan-Christoph Oetjen, FDP-Spitzenkandidat für die Europawahl.
Dann wäre mit ihm ein weiterer Politiker aus dem Elbe-Weser-Raum in Straßburg vertreten. „Vielleicht können wir dann auch eine Fahrgemeinschaft gründen“, scherzt McAllister und verabschiedet sich vom Neujahrsempfang in Rotenburg, um zum nächsten Termin nach Loxstedt, zu reisen. Dort, im Landkreis Cuxhaven, machte David McAllister seine ersten politischen Schritte bei der Jungen Union.
Jung ist auch das Gastgeberquartett des Kreis- und Gemeindeverbands Rotenburg um Eike Holsten, Marco Mohrmann, Oliver Grundmann und Marco Prietz, das laut McAllister bundesweit immer bekannter werde und auch für den Erneuerungsprozess der Partei stehe. Außer
Grundmann, der entschuldigt fehlt, kommen die Herren natürlich auch an diesem Mittag im Haus am Luhner Forst zu Wort – inklusive vielem Schulterklopfen.
Kreisverbandsvorsitzender Mohrmann ist stolz auf das junge Personaltableau der CDU. Dafür bittet er den anwesenden Sittenser Samtgemeindebürgermeisterkandidaten Sören Wallin, 34 Jahre jung, kurz aufzustehen. Applaus. Doch neben all der Harmonie spricht er auch von einem erheblichen Fehler im Jahr 2018: Der Uneinigkeit innerhalb der Großen Koalition. Seinen Respekt zollt er wiederum Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihren Rücktritt als Parteivorsitzende. Von Horst Seehofer (CSU) hätte er nach der Bayernwahl Ähnliches erhofft, lachende Christdemokraten beim Neujahrsempfang bestätigen seine beiläufige Bemerkung.
Marco Prietz, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, findet den Weg zurück auf die lokale Ebene. Nur das Zusammenspiel zwischen
Haupt- und Ehrenamt habe die CDU-Kreistagsfraktion so stark gemacht. Auch wenn die Digitalisierung auf dem Land noch nicht so fortgeschritten sei: „Auf dem Dorf ist man kein Bürger zweiter Klasse“, formuliert er einen mitreißenden Satz, der beim Publikum ankommt. Mit Eike Holsten folgt der letzte im Bunde der Redner. Vieles sei bereits gesagt. Ein Anliegen habe der Rotenburger Landtagsabgeordnete dennoch: „Verbringen Sie weniger Zeit mit Ihrem Handy und mehr mit Ihren Mitmenschen.“ Die Reden sind vorüber und es folgt die Tradition beim CDU-Empfang: Hochzeitssuppe.